Eine der interessanteren Fragen, die diese Woche im Thienemann Archiv untersucht wurden, war folgende:
Welche Vornamen wurden in der Familie in den vergangenen 365 Jahren am häufigsten verwendet?
Auf Grundlage der aktuellen Archivdatenbank mit 1.417 dokumentierten Geburten mit den Familiennamen „Thieneman“ oder „Thienemann“ wurde eine Häufigkeitsanalyse aller aufgezeichneten Vornamen durchgeführt – von der frühesten dokumentierten „Thienemann“-Geburt im Jahr 1661 bis heute.
Für diese Untersuchung wurden alle aufgezeichneten Vornamen einzeln gezählt und nicht nur der jeweils erste Vorname berücksichtigt. Dieser Ansatz spiegelt die traditionelle deutsche Namensgebung besser wider, bei der der tatsächlich verwendete „Rufname“ häufig nicht der erste eingetragene Taufname war.
So könnte beispielsweise Carl Theodor Thienemann im Alltag einfach als „Theodor“ bekannt gewesen sein.
Die Ergebnisse zeigen faszinierende Muster familiärer Namensgewohnheiten über Generationen hinweg und über verschiedene Kontinente hinweg.
Die häufigsten männlichen Vornamen (1661–heute)
1. Friedrich — 61 2. Johann — 61 3. Heinrich — 55 4. August — 45 5. Wilhelm — 40 6. Ernst — 36 7. Christian — 35 8. Karl — 29 9. Franz — 26 10. Joseph — 23 11. Theodor — 23 12. Georg — 22 13. Otto — 22 14. Gustav — 21 15. Hans — 20 16. Christoph — 19 17. Eduard — 19 18. Rudolf — 19 19. Andreas — 18 20. Hermann — 18
Die häufigsten weiblichen Vornamen (1661–heute)
1. Marie — 47 2. Elisabeth — 25 3. Friederike — 25 4. Johanne — 24 5. Anna — 22 6. Auguste — 22 7. Christiane — 22 8. Sophie — 21 9. Wilhelmine — 20 10. Dorothea — 18 11. Emma — 18 12. Hedwig — 18 13. Margarethe — 18 14. Clara — 17 15. Helene — 17 16. Pauline — 17 17. Agnes — 16 18. Bertha — 16 19. Caroline — 16 20. Martha — 16
Die Moderne: 1900–heute
Die Archivdaten zeigen außerdem einen deutlichen Wandel der Namensgewohnheiten im Verlauf des 20. Jahrhunderts, als verschiedene Familienzweige auswanderten, sich an neue Länder anpassten und andere sprachliche und kulturelle Einflüsse übernahmen.
Traditionelle deutsche Namen wie Johann, Heinrich und Friederike wurden allmählich durch modernere und internationalere Namen ersetzt.
Die häufigsten männlichen Vornamen (1900–heute)
1. Joseph — 20 2. Michael — 12 3. Wilhelm — 11 4. Charles — 9 5. Albert — 8 6. Robert — 8 7. Walter — 8 8. Edward — 7 9. Ernst — 7 10. Francis — 7 11. Hans — 7 12. Lee — 7 13. Peter — 7 14. Richard — 7 15. Rolf — 7 16. Friedrich — 6 17. Heinz — 6 18. Joachim — 6 19. Karl — 6 20. Ulrich — 6
Die häufigsten weiblichen Vornamen (1900–heute)
1. Marie — 19 2. Ann — 12 3. Mary — 11 4. Elizabeth — 9 5. Lynn — 7 6. Ruth — 7 7. Nicole — 6 8. Elisabeth — 5 9. Margaret — 5 10. Rose — 5 11. Donna — 4 12. Gail — 4 13. Lauren — 4 14. Sarah — 4 15. Ursula — 4 16. Agnes — 3 17. Alexandra — 3 18. Barbara — 3 19. Catherine — 3 20. Eva — 3
Was sagen uns diese Ergebnisse?
Die früheren Jahrhunderte des Archivs werden deutlich von traditionellen deutschen Namensgewohnheiten geprägt. Namen wie Johann, Friedrich, Heinrich, Marie und Friederike tauchen über viele Generationen hinweg immer wieder auf. Häufig wurden Namen zu Ehren von Eltern, Großeltern oder Paten weitergegeben.
Im Verlauf des 20. Jahrhunderts änderten sich die Namensmuster jedoch deutlich. Besonders in amerikanischen Familienzweigen wurden englischsprachige Namen zunehmend häufiger. Namen wie Michael, Charles, Robert, Ann und Mary ersetzten nach und nach viele der älteren deutschen Formen.
Auf den ersten Blick wirken die modernen Listen stark amerikanisiert. Betrachtet man jedoch die zwanzig häufigsten Namen statt nur der ersten zehn, zeigt sich ein interessantes Bild: Viele traditionelle deutsche Namen blieben auch im 20. Jahrhundert weiterhin bemerkenswert häufig vertreten. Namen wie Hans, Friedrich, Heinz, Joachim, Karl, Ulrich, Ursula und Elisabeth erscheinen weiterhin in mehreren Familienzweigen – trotz neuer internationaler Namensgewohnheiten.
Die älteren deutschen Namensformen verschwanden also nicht vollständig, sondern bestanden parallel zu neueren amerikanischen und internationalen Einflüssen weiter. Dies spiegelt sowohl kulturelle Kontinuität als auch die allmähliche Anpassung verschiedener Familienzweige über Generationen hinweg wider.
Das Archiv enthält derzeit Aufzeichnungen zu 1.417 Geburten mit den Familiennamen „Thieneman“ oder „Thienemann“ zwischen 1661 und heute. Davon entfallen etwa 566 dokumentierte Geburten auf die Zeit nach 1900.
Besonders bemerkenswert ist außerdem, dass trotz eines Zeitraums von mehr als dreieinhalb Jahrhunderten derzeit nur bei etwa 175 Personen kein genaues Geburtsjahr bekannt ist.
Genealogie besteht oft scheinbar nur aus Namen und Daten. Doch manchmal erzählen gerade diese Namen selbst die Geschichte von Migration, Identität, Sprache, Religion und sich wandelnden Familientraditionen über Jahrhunderte hinweg.
Abschließende Gedanken
Erkennst du einige dieser Namen aus deinem eigenen Familienzweig wieder?
Gibt es Vornamen, die sich in deiner Familie über mehrere Generationen hinweg wiederholt haben?
Das Thienemann Archiv freut sich über Hinweise, Erinnerungen und Geschichten zu wiederkehrenden Familiennamen, Namensgewohnheiten und Familientraditionen, die über Generationen hinweg weitergegeben wurden.
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